S/4HANA: Einführung gewinnt bei Unternehmen an Fahrt

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MR BLUEFIELD - August 06, 2020

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unsplash | marc olivier jodoin

Welche Fortschritte haben Unternehmen bereits bei der Einführung von S/4HANA gemacht? Wo liegen noch Hindernisse – und welche Vorteile ergeben sich durch die neue ERP-Echtzeit-Lösung? Wir fassen die wichtigsten Ergebnisse einer neuen Umfrage zusammen, die von der Deutschsprachigen SAP-Anwendergruppe (DSAG) und der Amerikanischen SAP-Anwendergruppe (ASUG) durchgeführt wurde.

 

Die Umstellung bestehender IT-Systeme auf S/4HANA wird in der Wirtschaft viel diskutiert – die neue ERP-Echtzeit-Lösung im Einsatz hat jedoch erst ein kleiner Anteil der SAP-Anwender. Zwölf bzw. 16 Prozent der Unternehmen, die der Deutschen oder Amerikanischen SAP-Anwendergruppe angehören, haben die Einführung bereits realisiert. Aber die Einführung von S/4HANA hat Fahrt aufgenommen: Knapp ein Viertel der DSAG-Mitglieder (23 Prozent) sind aktuell mit der Migration beschäftigt. Auf der US-Seite sind es fast ebenso viele (22 Prozent). In der Planungsphase für das komplexe Transformationsvorhaben, das weit mehr als ein Upgrade ist, steckt jedes zweite deutsche und jedes dritte US-amerikanische Unternehmen. Noch nicht entschieden, ob sie S/4HANA einführen werden, haben zwölf Prozent der befragten deutschen sowie 18 Prozent der US-Unternehmen. Das geht aus einer neuen Umfrage hervor, für die insgesamt 483 SAP-Anwender befragt wurden.

 

S/4HANA-Migration: Gründe für zögerliches Vorgehen

Woran genau liegt es, dass viele Unternehmen ihr S/4HANA-Projekt noch nicht realisiert haben? Bei den Mitgliedern der Amerikanischen SAP-Anwendergruppe wiegen die Kosten besonders schwer: Sie gehen davon aus, dass für die Umstellung ein großes Budget bereitgestellt werden muss – obwohl es heute kostenminimierte Migrationsverfahren gibt. Als weitere Gründe geben die befragten US-Unternehmen das Fehlen eines Business Case sowie laufende SAP-ECC-Projekte an.

Demgegenüber sehen DSAG-Mitglieder noch nicht die Notwendigkeit, ihre Systeme umzustellen. Es scheint so, als wäre das Ende der Standardwartung für die Business Suite 7 im Jahr 2027, mit dem die Gefahr von Schwachstellen und Fehlerquellen steigt, für diese Unternehmen noch in weiter Ferne. Dabei wären sie gut beraten, die verbleibende Zeit effektiv zu nutzen, um die Migration samt Vorarbeiten ohne Zeitdruck zu planen. Manches deutsche Unternehmen scheut die Umstellung aber auch, weil noch eine Unsicherheit bezüglich der Funktionalitäten besteht – zudem fehlt auch hier ein konkreter Business Case.

 

S/4HANA: SAP-Kunden sehen klare Vorteile für ihr Unternehmen

Organisationen, die S/4HANA bereits eingeführt haben, führen vielfältige Vorteile auf. In beiden SAP-Anwendergruppen wird vor allem eine verbesserte Performance betont. Darüber hinaus wird die neue Business Suite als strategische Basis für weitere Innovationen gesehen. S/4HANA soll auch einen schnelleren Zugang zu Analysen ermöglichen sowie die Bereitstellung von Daten im gesamten Unternehmen vereinfachen – allesamt wichtige Faktoren, um den eigenen Wettbewerbsvorteil gegenüber der Konkurrenz ausbauen zu können.

Größere Unterschiede zwischen den beiden Anwendergruppen bestehen hinsichtlich der Optimierung vorhandener Geschäftsprozesse. Dieser Vorteil wird von knapp zwei Drittel der DSAG-Mitglieder (63 Prozent) gesehen – jedoch nur von etwas mehr als einem Drittel der ASUG-Mitglieder (38 Prozent).

Hinsichtlich der Entfernung von unnötigem Code ergibt sich eine ähnliche Gewichtung: Nur 19 Prozent der ASUG-Mitglieder sehen darin einen Vorteil, aber 41 Prozent der DSAG-Mitglieder. „Eventuell stand bei den ASUG-Mitgliedern eher die rein technische Umstellung auf S/4HANA im Fokus“, kommentiert Marco Lenck, Vorstandsvorsitzender der DSAG, die Umfragewerte. „Bei den DSAG-Mitgliedern hingegen wird eine Neuimplementierung oder auch eine Migration häufig dazu genutzt, das System auch gleich zu säubern.“

 

Analytics Cloud unterstützt weitere Digitalisierung sowie Vorhersagen

Fast einheitlich wird die Bedeutung der SAP Analytics Cloud für die digitale Zukunft der Unternehmen eingeschätzt: 36 Prozent der DSAG-Mitglieder und 34 Prozent der ASUG-Mitglieder haben Interesse an der Technologie. Tatsächlich genutzt wird die Business-Intelligence-Lösung für erweiterte und eine vorrauschauende Unternehmensplanung aber erst von 13 Prozent der DSAG-Mitglieder. Bei der amerikanischen Anwendergruppe setzt immerhin schon jedes fünfte Unternehmen auf die SAP Analytics Cloud. Den künftigen Einsatz der Analytics Cloud plant jedes dritte DSAG-Mitglied – in der Amerikanischen Anwendergruppe nur knapp eins von fünf Unternehmen. „Diese Produkte unterstützen die Digitalisierungsbemühungen sowie den Bedarf an Vorhersagen“, so Lenck. Unternehmen hätten in der aktuellen Viruskrise erkannt, dass sie flexibler und vorausschauender planen müssen.

 

S/4HANA-Umstellung: Geschäftsbereiche mit höchster Priorität

Bei den Geschäftsbereichen, die vorrangig von S/4HANA profitieren sollen, steht der Finanzbereich sowohl bei der DSAG (76 Prozent) als auch bei der ASUG (80 Prozent) an erster Stelle. Daneben haben der Verkauf bzw. Vertrieb Priorität: Mehr als die Hälfte der DSAG- und ASUG-Mitglieder stimmen dem zu.

Größere Unterschiede zeigen sich der Umfrage zufolge bei dem Supply-Chain-Management. Der Fachbereich hat für die Hälfte der ASUG-Mitglieder hohe Relevanz, aber nur für etwas mehr als ein Drittel der DSAG-Mitglieder.

 

Auswirkungen der ERP-Echtzeit-Suite auf Geschäftsprozesse

Unterschiedlich gewertet wird darüber hinaus die Frage, ob S/4HANA Auswirkungen auf bestehende Geschäftsprozesse zeigt. Die Mehrheit der der DSAG-Mitglieder (74 Prozent) geht davon aus – und im Gegensatz dazu nur 13 Prozent der ASUG-Mitglieder. Als wesentliche Auswirkungen werden Change-Management und Standardisierung angegeben. „Die Geschäftsprozesse der Mitglieder aus beiden Anwendergruppen dürften sich nicht grundlegend unterscheiden“, meint Lenck. Der DSAG-Vorstandsvorsitzende sieht den Unterschied der Umfrageergebnisse daher eher in der Unternehmenskultur begründet. Laut Ann Marie Gray, Vice President of Content Strategy and Research bei der ASUG, scheint es für die befragten US-Unternehmen eine geringere Priorität zu haben, ihre Prozesse im Rahmen ihrer Migrationen neu zu gestalten. „Wir wissen aus der ‚ASUG Pulse of the SAP Customer Study 2020‘, dass die Standardisierung von Geschäftsprozessen einer der drei wichtigsten Gründe ist, warum die ASUG-Mitglieder auf SAP S/4HANA umsteigen.“

 

SAP Fiori: Vermehrter Einsatz der intuitiven Benutzeroberfläche

Befragt wurden die teilnehmenden Unternehmen auch zu SAP Fiori, der neuen User-Experience für mobile Anwendungen. Etwa die Hälfte der ASUG-Mitglieder (57 Prozent) und DSAG-Mitglieder (47 Prozent) nutzt die intuitive Benutzeroberfläche bereits. Weitere 44 Prozent der DSAG-Mitglieder können sich den Einsatz künftig vorstellen, jedoch erst ein Viertel der befragten US-Unternehmen.

Ann Marie Gray geht davon aus, dass diese Entwicklung zunehmen wird, „wenn unsere Mitglieder weiter S/4HANA in Betrieb nehmen und Projekte in Angriff nehmen, um den Geschäftsanwendern den vollen Wert der Daten in ihrem neuen ERP-System zu liefern.“

 

Den vollständigen Studienbericht finden Sie hier.

 

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MR BLUEFIELD FASST ZUSAMMEN

  • Erst ein kleiner Anteil der Unternehmen hat S/4HANA bereits im Einsatz. Die Einführung der neuen ERP-Echtzeit-Lösung hat aber an Fahrt gewonnen: Viele Unternehmen befinden sich laut einer Umfrage der Deutschen und Amerikanischen SAP-Anwendergruppe in einer Planungs- oder Umsetzungsphase.
  • Gründe für das bislang zögerliche Vorgehen sind bei den US-Unternehmen: Kosten, laufende SAP-ECC-Projekte sowie das Fehlen eines Business Case. Bei den deutschen Unternehmen besteht eine Unsicherheit bezüglich der Funktionalitäten, mitunter wird auch noch keine Notwendigkeit gesehen, das System jetzt schon umstellen zu müssen.
  • Dabei nennen die S/4HANA-Anwender von einer besseren Performance über den schnelleren Zugang zu Analysen bis zur vereinfachten Daten-Bereitstellung klare Vorteile bei der Nutzung.
  • Abteilungen, die vorrangig von S/4HANA profitieren sollen, sind für beide Gruppen der Finanzbereich und der Verkauf bzw. Vertrieb – sowie bei den US-Unternehmen das Supply Chain Management.
  • Die Bedeutung der SAP Analytics Cloud für die digitale Zukunft der Unternehmen wird fast einheitlich eingeschätzt: 36 Prozent der DSAG-Mitglieder und 34 Prozent der ASUG-Mitglieder haben Interesse an der Technologie.