Warum Unternehmen auf Künstliche Intelligenz setzen sollten

Blog Post

MR BLUEFIELD - September 13, 2020

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Digitalisierungsexperte Prof. Dr. Herbert Schuster im Interview über die Revolution der Künstlichen Intelligenz und warum sie für Unternehmen in allen Branchen künftig eine unverzichtbare Rolle spielen wird.   

 

Künstliche Intelligenz (KI) ist die Zukunftstechnologie schlechthin: Experten* sind davon überzeugt, dass lernende Algorithmen unsere Welt in nahezu allen Bereichen revolutionieren werden. Unternehmen sollen von dieser Entwicklung am meisten profitieren. Wie Sie bereits heute KI-Methoden gewinnbringend einsetzen können, erklärt Prof. Schuster:

 

Was sind aktuell die größten Herausforderungen im Bereich KI?

Zurzeit stehen im Zentrum von KI-Verfahren einzelne, sehr spezielle Probleme wie z.B. die Bild- oder Texterkennung. Für jeden Problemtyp gibt es separate KI-Methoden. Das ist nicht sehr befriedigend, weil man für jede Herausforderung einen speziellen Schraubenschlüssel benötigt. Die größte Herausforderung ist es nun, die Entwicklung immer mehr in Richtung des Universalschraubenschlüssels voranzutreiben – also Methoden zu finden, mit denen man mehrere ähnliche Probleme lösen kann.

 

In welchen Lebensbereichen kommen wir heute schon mit KI in Berührung?

Da gibt es viele Berührungspunkte: Heute sind es Anwendungen aus den Bereichen Foto, Kommunikation, Kreditanfragen oder Verkehr, bei denen wir wissentlich oder unwissentlich mit KI zu tun haben. Ich nutze beispielsweise Google Maps als Navi-System. Damit liefere ich fleißig meine Positions- und Geschwindigkeitsdaten an Google. Auf dieser Basis kann Google nicht nur Staus erkennen – sondern vorhersehen, wann sie entstehen oder sich auflösen.

In den nächsten fünf Jahren werden im Grunde alle, wirklich alle Lebensbereiche und Branchen KI-Methoden nutzen: Im Gesundheitswesen, z.B. individuelle Medizin oder Radiologie, bei der Mobilität z.B. Fahrunterstützung, Fahrdienste, etc., in der Energietechnologie z.B. Smart Cities und in der Haustechnik z.B. Sicherheitssysteme – um nur einige wenige zu nennen. Der Einsatz von KI wird zunehmend als Erleichterung empfunden, was eine breite Akzeptanz ermöglichen wird – Unabhängig ob Privatperson oder Unternehmen, wir werden die KI wollen.

 

Sind Ihrer Einschätzung nach mehr Regulierungen im Bereich KI notwendig? 

Ich bin fest davon überzeugt, dass das Veränderungspotenzial der KI riesig ist und auch massiv genutzt werden wird. Gerade deshalb braucht es eigentlich eine funktionierende Regulierung. Bei der Umsetzung in der Praxis bin ich jedoch eher pessimistisch: Innovationen entziehen sich Regulierungen – sie sind zu schnell und die Regulierer zu schwach. Aus meiner Sicht kann sich ein Wettkampf der KI-Hersteller regulierend auswirken. Fake News sind hier ein gutes Beispiel. Aktuell stehen sich hier zwei KI-Systeme gegenüber: Es gibt sehr ‚intelligente‘ Systeme, die beeinflussende News generieren und diese exakt jenen Nutzern zuspielen, die beeinflussbar sind. Auf der anderen Seite entwickeln Twitter, Google und Facebook Algorithmen, die diese News als Fake identifizieren und eliminieren. Das ist aus meiner Sicht effizienter als jede staatliche Regulierung, die ich zwar für wünschenswert, aber unrealistisch halte.   

 

Warum benötigen Unternehmen heute Künstliche Intelligenz? 

Dazu gibt es eine ganze Reihe an zwingenden Gründen. Wenn mir ein Vorstand oder Geschäftsführer diese Frage stellt, frage ich immer zurück: Würden Sie gerne wissen, welcher Ihrer Kunden in den nächsten Wochen kündigen wird? Kennen Sie den exakten Preis, der von Ihren Kunden bezahlt werden würde? Kennen Sie jene Unternehmen oder Konsumenten, die Ihre Produkte benötigen - die Sie aber noch nicht kennen? Sind Ihnen alle internen und externen Betrugsfälle bekannt und können Sie diese nachweisen? – All diese Fragen können mithilfe von KI beantwortet werden, wodurch Unternehmen sich massive und exponentielle Vorteile verschaffen.

 

Welche Probleme ergeben sich für Unternehmen in Hinblick auf ihre Datensicherheit?

Die wachsende Datenmenge bringt die Unternehmen technisch an ihre Grenze. Die Herausforderungen an die Datensicherheit wachsen entsprechend mit. Vor allem auch die Kompetenz und die Methoden der Hacker. Auf der anderen Seite ergeben sich über die Cloud-Anbieter überaus professionelle Lösungen für exakt diese Probleme: Die großen Cloud-Dienstleister wie Microsoft, Amazon oder Google verfügen über die sichersten Umgebungen mit denen selbst die Landschaften der großen Unternehmen kaum mehr mithalten können. Und eben diese Anbieter addieren nun auch noch KI-unterstützte Services, mit denen Angriffe noch schneller und besser erkannt und bekämpft werden können. Die Datensicherheit war früher ein Grund, die Cloud skeptisch zu sehen. Heute kann die Cloud für sehr viele Unternehmen im Grunde die einzige – bezahlbare und sichere – Lösung sein.

 

Wie können Unternehmen einschätzen, ob sich für ihre Projekte und Geschäftsfelder der Einsatz von KI lohnt?

Ganz einfach: Ausprobieren! Die Einstiegshürden in die testweise Nutzung von KI-Methoden sind denkbar niedrig. Es gibt Spielumgebungen der großen Anbieter und eine frei nutzbare Sammlung an Methoden und Programmen (Tensorflow). Mein Tipp: Suchen Sie hausintern nach Daten, die nicht vertraulich oder personenbezogen sind und testen Sie mit diesen unterschiedliche KI-Methoden.

 

Wie wird die künstliche Intelligenz Unternehmen verändern?

Hier liegt ein enormes Potenzial in der Automatisierung von Prozessen. Meine persönliche Schätzung ist, dass 60 bis 70 Prozent aller betriebswirtschaftlichen Transaktionen innerhalb eines Unternehmens von der Bewerbungsverarbeitung über die Rechnungsprüfung, Warenkontrolle, Qualitätsprüfungen bis hin zu Controlling-Tätigkeiten von KI-Systemen übernommen werden – mit besseren statt schlechteren Ergebnissen: schneller, genauer, transparenter, günstiger. Aktuell werden die Systeme dafür vorbereitet, dies zu tun – die Unternehmen werden noch Jahre benötigen, das umzusetzen. Aber: es benötigt nur den ersten Player in der jeweiligen Branche, der damit anfängt – und alle müssen folgen. Dann können wir uns das gesamte Unternehmen so vorstellen wie heute schon die Produktionshallen der Automobilhersteller: im höchsten Maße durchautomatisiert.  

 

Herr Prof. Schuster, herzlichen Dank für das Interview.

Herbert-Schuster-Profil

Prof. Dr. Herbert Schuster ist Gründer von Innoplexia, ein Tochterunternehmen der SNP-Gruppe und CIO von SNP. Der ehemalige SAP-Manager, erfolgreiche Unternehmer und routinierte Keynote-Speaker ist einer der renommiertesten Digitalisierungsexperten Deutschlands.

 

 

 

 

* Aus Gründen der besseren Lesbarkeit verwenden wir auf dem MR BLUEFIELD-Blog für alle Personengruppen die männliche Form, wobei wir darin ausdrücklich weibliche und diverse Menschen inkludieren.

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